„Das Gebäude ist ein Ausrufezeichen!“

Ein Gespräch mit Rainer Modlmeier, dem Architekten der MONTEC Neubauten in Asbach-Bäumenheim

Bei der Aufgabe des Neubaus von MONTEC handelt es sich um eine klassische Aufgabe. Man hat ein Betriebsgebäude und ein Verwaltungsgebäude. Oftmals wird das so gelöst, dass beides in einem einzigen „Kasten“ untergebracht ist, im ersten Stock sind drei Büros – und das war es dann. Wieso haben Sie das überhaupt getrennt?

Modlmeier: Das war das Erste als Herr de Buhr und Herr Schmid zu mir gekommen sind: Es musste viel untergebracht werden, doch es wurde schnell klar: Das gibt keine guten Räume wenn wir alles zusammenpacken. Das räumliche Erlebnis soll ja auch stattfinden.

Ist das für Sie eine Frage des Aussehens, oder dass der größte Nutzen erreicht wird?

Modlmeier: Schon beides. Das Ästhetische ist mir wichtig, bei so einer Fassade, wenn die einen Giebel hat von 12 Metern Höhe, 30 Meter Breite, unten zwei Fluchttüren, oben drei Fensterchen. Das sieht dürftig aus. Also habe ich geraten, wenn man einen gewissen Mehraufwand akzeptiert, dass die Gebäude getrennt werden sollten. Zum einen weil die Gebäude dann von beiden Seiten belichtet werden, man geht durch den Eingang, sieht durch den Flur, nach oben, durch den Besprechungsraum wieder in den Garten hinaus. Hätte man das in der Produktionshalle, dann geht man durch eine Türe hinein, kommt in einem langen, dunklen Flur, die Räume sind alle gleich breit. Man hätte keine Orientierung.

In dem freistehenden Verwaltungsgebäude haben die MONTEC-Mitarbeiter einen Blick zur Straße, zum Produktionsgebäude, können Verbindung aufnehmen zu den Menschen die kommen und sonst noch auf dem Gelände sind. Das Gebäude selbst ist ein Ausrufezeichen, es stellt etwas dar.

Da ist ein Erdgeschoss, auf dem, an allen vier Seiten unterschiedlich weit, das Obergeschoss übersteht. Das ergibt innen einen besonderen Charme. Man hat im Besprechungsraum eine natürliche Beschattung, ist nicht ausgesetzt, das macht einen behüteten Charakter. Was hatten Sie da noch im Sinn?

Modlmeier: MONTEC arbeitet mit schweren Lasten. Dieses Spiel mit der Gravitation, mit der Kraft. Das finde ich ein schönes Bild: Ich habe so einen kleinen Sockel und da liegt oben ein ziemlicher Klotz drauf, der dreieinhalb Meter übersteht. Klar hat jeder Statiker gesagt: „Da machen wir vorne zwei Stützen hin.“ Da sagte ich: „Garantiert nicht“ (lacht). Ich hätte es noch ein wenig weiter treiben wollen. Architektur sollte ein Spagat zwischen dem Funktionalen sein – und der Kunst. Unsere gebaute Umgebung – wo wir durchfahren, wo wir arbeiten, was wir sehen –allgemein wird das nicht besser.

Eine Raumhöhe von drei Metern im Verwaltungsbau –das steht einer Firma gut, die „Think big“ quasi als Prinzip haben. MONTEC könnte ja gar nicht „Kleinklein“, sondern muss in ausreichenden Dimensionen denken.

Modlmeier: Vor allem: Ohne Grenzen. Da sagt man nicht: Das ist jetzt zu schwer, zu gefährlich oder zu lang. Deswegen ist das optisch höherwertige von beiden Gebäuden auch das Symbol. Es gibt eine Grünfläche, die man auch benutzen kann, zum Bewerbungsgespräch raussetzen. Man braucht keinen Sonnenschutz. Dazu kommt, dass der Betrieb im großen Gebäude schon ganz schön stören kann. Wenn die da schweißen, flexen, dann möchte man nicht im Raum nebenan Büroarbeit leisten müssen. Aber das kann man sich bei einem Grundstück von 12.000 Quadratmetern auch leisten.

Interessant ist, dass Sie es trotzdem vermeiden konnten, dass das Ganze „wohnlich“ aussieht. Es hat zwar die Dimensionen eines Einfamilienhauses, aber es wirkt trotzdem nicht heimelig. Wegen der fehlenden Stützen?

Modlmeier: Ja, das war wichtig zu vermeiden. Es ist ja auch kein reines Verwaltungsgebäude. Die Arbeiter kommen ja auch herüber, mit schweren Stiefeln, das heißt, es muss auch ein wenig robust sein. Deswegen zum Beispiel auch der Steinboden, in den Büros im Obergeschoss liegt Eiche Industrieparkett – eigentlich sehr hochwertige Optik, aber eben robust, wie man es auch im Werkstättenbau verwendet, kann zehn Mal abgeschliffen werden.

Sie haben ja keinen einheitlichen Materialmix, ist das Ihre Handschrift?

Modlmeier: Massives Holz, Eiche, aus der Umgebung. Der Bodenbelag: Jura-Marmor, aus dem Altmühltal, altbewährt, nichts Modisches. Aber farblich wunderbar passend, mit der Kombination hat man schon vor 250 Jahren Bauernhäuser ausgelegt. Doch wäre es falsch, das alleine durchzustricken. Deswegen tut diese Sichtbetonwand gut, als tragendes Bauteil, funktional. Dazu eine Treppe mit glatten Stahlplatten, Holzstufen, fertig.

Haben Sie diese Treppe selbst konstruiert?

Modlmeier: Ja, die hab ich noch nirgendwo gesehen, hab ich mir für dieses Gebäude überlegt.

Sie gehen also schon in die Konstruktion Ihrer Details. Die Möbel hat aber ein Schreiner konstruiert?

Modlmeier: Ja, der war kurz vor Fertigstellung im Gebäude, hat gesagt, er nimmt das Eichenholz auf und hat die Tischplatte mit diesem Feinbeton ausgegossen. Das war die Reaktion des Schreiners aufs Gebäude. Es darf nicht überpoliert sein. Für mich ist das Büro auch eine Werkstatt. Wo man auch mal was auf den Tischlegt. Da darf nicht alles überempfindlich sein. Und trotzdem wirkt alles recht wertschätzend. Auch für den Besucher. Der kann richtig entspannen und kann sich wohlfühlen.

„Man hält sich gern in dieser Halle auf“

Mit Blick auf die Architektur scheint beim Produktionsgebäude „nicht so viel zu gehen“. Das ist funktional, von der Außenhülle her ist es seinem Bestimmungszweck gewidmet. Haben Sie trotzdem Gestaltungsspielräume genutzt?

Modlmeier: Ich kann das nicht lassen (lacht). Es ist das, was mir am Industriebau Spaß macht. Was wir bei MONTEC haben ist eine sauber gestaltete Fassade. Es gibt eine Trennung längsseitig, zum Hof nach Süden und nach Norden zum Nachbarn – da sind Fenster. Einmal im unteren Bereich, einmal im oberen Bereich. Wie in einer Basilika. In den Giebeln sind folgerichtig keine Fenster, die damit große Scheibenbleiben können.

Warum?

Modlmeier: Um das zu sortieren. Um dem eine gestalterische Kraft zu geben. Dann spielt auch die Materialkombination eine Rolle. Wir haben im unteren Bereich Betonboden, Betonstützen (was man auch anders hätte lösen können). Die Nebentragwerke und die Dachkonstruktion bestehen aus Holz. Viele die reingehen sagen: „Das ist aber eine schöne Halle.“ Das hört man selten. Sonst sind Hallen eben Hallen, Betondecke und fertig. Mit diesem Satteldachträger, der unten ausgerundet ist und mittig ein Oberlicht-Band drüberläuft, bekommen die Leute in der Halle viel Tageslicht; die bekommen was „vom Draußen“ mit, da kriegen sie noch Wetterunterschiede mit, ohne ihnen ausgesetzt zu sein. Die Kombination oben ist Stahl und Holz, das ergibt eine Stufung, man hält sich gern in dieser Halle auf.

Um es zusammenzufassen: Sie wollten etwas Nachhaltiges schaffen, etwas Regionales, ein gutes Beispiel für ein neuentstehendes Gebiet geben und Sie wollen „handwerklich“ solide und nachvollziehbar arbeiten.

Modlmeier: Mich freut der Bodenbelag aus dem Altmühltal mehr als Norwegischer Granit, auch wenn der vielleicht spektakulärer ist. Wenn man das vermitteln kann, dass das mehr Menschen wahrnehmen, dann ist das für mich ein Erfolg. Für die Menschen, die da jeden Tag reingehen, die dran vorbeifahren. Sie sollen merken: Da hat sich jemand Gedanken gemacht, so eine Qualität soll sich ausbreiten.

Danke für das Schlusswort und das Gespräch!